Dietmar Herz: »Die Amerikaner im Krieg«

 

Viele Gefechte und ein Pyrrhus-Sieg

Dietmar Herz berichtet über den Irak-Krieg

»Wer die Hölle als das bezeichnet, was sie ist, hat damit natürlich noch nicht gesagt, wie man Menschen aus dieser Hölle herausholen und das Höllenfeuer eindämmen kann.« Dieses Zitat der Autorin und Kritikerin Susan Sonntag führt Dietmar Herz, Professor für Vergleichende Regierungslehre an der Universität Erfurt, gegen Ende seines Buches an.

Dieser Satz ist zum Teil auch Resümee seines Reiseberichts. Es ist eine ungewöhnlich Reise, ein »Abstieg in die Unterwelt«, über die Dietmar Herz in diesem schmalen Band mit rund 150 Seiten berichtet: »Eingebettet« in die 82. Airborne Division verbrachte Herz vier Wochen in Irak. Und was er berichtet, ist niederschmetternd.

Ein Blick zurück: Georg W. Bush und sein Außenminister Donald Rumsfeld boten der Öffentlichkeit Versatzstücke einer wenig durchdachten Zukunftsvision für den Nahen und Mittleren Osten, in dessen Mittelpunkt »Die Theorie des demokratischen Friedens« stand, und prophezeiten eine »Welle der Demokratisierung« in der Region.

Und wie sieht die Realität heute aus? Längst schon geht es nicht mehr um den von den USA propagierten Wiederaufbau oder um Demokratie, sondern darum, in diesem Wirrwarr von Kämpfen und Anschlägen mehr schlecht als recht Präsenz zu zeigen und darum, einen Zustand »der physischen Sicherheit« zu schaffen – für US-Soldaten und Iraker..

Herz´ Erkenntnis im Irak: Die gesamte Ideologie von Georg W. Bush und seinen Beratern »ist eine Verkennung der Realität«. Die Leidtragenden dieses Realitätsverlustes sind die Menschen in diesem kriegsgebeutelten Land: Einerseits die amerikanischen Soldaten, »Objekte der hilflosen Strategie der eigenen Regierung«, die zu Dutzenden fallen. Andererseits die Iraker, die vielen Aktiven an den Waffen in verschiedenen Gruppierungen ebenso wie die völlig Unbeteiligten, die zu Hunderten sterben.

Grundlage dieses Realitätsverlustes ist nach Herz´ Analyse die Konzeptlosigkeit der amerikanischen Führung, die diesen Krieg um jeden Preis führen wollte, auch mit Hilfe der Irreführung und der Lügen. Sie begann diesen Krieg mit »bemerkenswert wenig Wissen über die Gegner und die zu erwartende Situation der Nachkriegszeit«. Erst in den blutigen Kriegen, angesichts der vielen Kampfherde im Irak muss der Plural benutzt werden, begann man dieses Wissen in den letzten vier Jahren mit Blutzoll zu sammeln

Herz gelingt eine gute Mischung aus historischen und aktuellen Hintergrundinformationen und dem Bericht dessen, was er selbst vor Ort gesehen hat. Es liegt auf der Hand, dass Herz kein umfassendes Bild des gesamten Iraks und seiner vielen Kriegsschauplätze geben kann. Als »embedded journalist« in der amerikanischen Armee kann er nur aus diesem Umfeld und dem beigewohnten Aktionsradius berichten. Doch das genügt vollauf.
Wer solche Episoden liest wie über den kleinen militärischen Konvoi, mit dem zwei Ingenieure und ein Dutzend Soldaten unter Einsatz ihres Lebens ein geborstenes Abwasserrohr inspizieren, um es vielleicht irgendwann reparieren zu können, der kann sich ausmalen, wie es außerhalb der abgesicherten Armeecamps aussieht.

Herz´ Schlussfolgerung lässt keine Deutlichkeit vermissen: »Die amerikanische Strategie scheint mir in einer Sackgasse zu sein«, resümiert er. Anders gesagt: Auf lange Sicht sind die Amerikaner auf dem Weg der Niederlage, trotz der technischen Überlegenheit und der Siege in den Gefechten und Scharmützeln.

Nevfel Cumart

Dietmar Herz: Die Amerikaner im Krieg. Bericht aus dem Irak im vierten Kriegsjahr. C. H. Beck Verlag, München 2007. 156 Seiten.

 


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