Eine ruhige Stimme in der Integrationsdebatte
Navid Kermanis Streitschrift über Muslime in Deutschland.
Navid Kermani ist ein kluger Kopf und ein scharfsinniger Beobachter der deutschen Zustände. Er ist zudem ein profunder Islamwissenschaftler, der zu praxisnahen Analysen fähig ist. Jetzt kommt noch das i-Tüpfelchen: Der Mann kann schreiben, kann herrlich präzise und unaufgeregt formulieren. Das macht sein Buch neben dem Erkenntnisgewinn zu einer sehr angenehmen Lektüre inmitten all der pseudo-wissenschaftlichen Bücher zum Thema „Islam in Deutschland“. Kermani räumt mit so manchem in der deutschen Gesellschaft etablierten Klischeebild zum Islam auf. Für ihn ist eines der Grundprobleme im Umgang mit dem Islam, dass die Muslime und ihre Identität auf ein einzelnes Kriterium wie die Religionszugehörigkeit reduziert werden. Gegen diese „Identitätsfalle“ schreibt Kermani beharrlich und mit autobiographischen Elementen an. Zu den weiteren Themen seiner „Streitschrift“ gehört auch die Entstehung von Parallelgesellschaften, die in seinen Augen nachweislich soziale Gründe haben. Schließlich kommt Kermani zu dem Schluß, daß die Integrationsdebatte zu sehr auf die Religion verengt wird. Ein Buch, dem man viele Leser und rege Diskussionen wünscht.
Nevfel Cumart
C. H. Beck Verlag München, 2009. 173 S.