Sean Rowe: »Traumschiff«

 

Von alten Rechungen und kaputten Familienverhältnissen

Ein überzeugendes Krimidebüt mit überraschenden Wendungen

Keine Frage: Man kann sicher auf angenehmere Weise zum Schreiben finden als der Amerikaner Sean Rowe. Der geriet nach einer Party vor einen fahrenden Zug, überlebte wie durch ein Wunder und zog sich nach Monaten im Krankenhaus auf eine einsam gelegene Farm in North Caroline zurück. Dort schrieb er seinen Romandebüt »Traumschiff«, eine Geschichte, die wie eine Dampflok den Leser niederwalzt.

Der Ich-Erzähler ist Matt Shannon, ein Ex-FBI-Agenten, der den Krebstod seiner Frau nicht verkraftet hat. Sein Stiefbruder Jack Fontana, der drei Jahre im Knast saß, stiftet ihn zu einem großen Coup an: ein Überfall auf ein Kreuzfahrtschiff, auf dem Millionen von kolumbianischen Drogengeldern von Miami nach Kuba geschmuggelt werden sollen.

Der Überfall klappt, doch dann läuft alles aus dem Ruder und Matt hat mit seiner Begleiterin Julia die Drogenmafia am Hals. Rowe hat eine gekonnt komponierte Melange aus Loyalität und Kumpanei, der Gier nach Geld und dem perfekten Verbrechen, aus Verrat und Rache gemixt. Die Mischung, die aus einer Geschichte um eine Freundschaft zwischen Stiefbrüdern ensteht, die viel kriminelle Energie generiert.

Natürlich verwendet Rowe in seinem Krimidebüt viel und gerne das Bild einer verkommenen und gefährlichen Welt, in die ein desillusionierter und trinkender Ermittler letzten Endes eine Ordnung schaffen will. Doch Rowe gelingt diese Anleihe ohne sich darüber zu erheben oder sich lustig zu machen. Schreiben heißt für ihn, dahin zu gehen, wo es weh tut. Ohne zu vergessen, dass es am Ende eben doch nur eine Geschichte ist, die man erzählt.

Rowe treibt den Plot von einem Höhepunkt zum nächsten und lässt dabei reichlich Blut fließen. Sicher kein Buch für jedermann, aber Fans von Hard-boiled-Thrillern werden vollends auf ihre Kosten kommen, zumal Rowe ganz auf Sentimentalitäten verzichtet. Da läuft schon nichts schief.

Bleibt nur noch eine letzte Frage an die Verantwortlichen im Verlag: Was in Gottes Namen soll dieser Buchumschlag mit einem kleinen Mädchen im Bikini? Ist da vielleicht etwas schief gelaufen?

Nevfel Cumart

Sean Rowe: Traumschiff. Roman. Mare Buchverlag, 2007. 235 Seiten.

 


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