Udo Ulfkotte: »Heiliger Krieg in Europa«

 

Der Untergang des Abendlandes

Udo Ulfkotte warnt vor einer islamischen Weltverschwörung

Wer Udo Ulfkottes Buch »Heiliger Krieg in Europa« aufschlägt, begegnet auf Seite vier einem Zitat von Oriana Fallaci, das hellhörig macht. Darin attestiert Fallaci: »Europa ist nicht mehr Europa, es ist Eurasien, eine Kolonie des Islam …«
Erinnern wir uns: Es ist die selbe Fallaci, die nach den Anschlägen des 11. September der gesamten islamischen Welt den Krieg erklärte und behauptete, dass die Moscheen Europas »bis zum Überdruss von Terroristen oder solchen, die es werden wollen« wimmeln und dass »die Söhne Allahs sich wie Ratten vermehren«. Solch ein Zitat an so exponierter Stelle – kein glücklicher Griff, mag man denken. Doch wer das Buch bis zum Ende liest, kommt zu der Überzeugung, dass dieses Zitat dieser Autorin wohl mit Bedacht gewählt worden ist.

In seinem Buch widmet sich Ulfkotte »dem zentralen Geheimbund, der mit grenzenlosem Hass und einer langfristigen Strategie die europäische Kultur zu zerstören sucht: der Muslimbruderschaft«. Auf 300 Seiten hat Ulfkotte Material und Informationen über die Muslimbrüder und ihre Machenschaften zusammengetragen, um die »schleichende Islamisierung Europas« zu belegen. Als Quellen, wen er sie denn nennt, dienten ihm zumeist Internetseiten und Zeitungsmeldungen. Er zieht daraus teilweise einleuchtende, teilweise völlig abstruse Schlussfolgerungen, die letztendlich in einer Verschwörungstheorie münden.

Damit es keine Missverständnisse gibt: Der Verfasser dieser Rezension ist Islamwissenschaftler und hat sich in seiner Abschlussprüfung an der Uni der Muslimbruderschaft gewidmet. Diese wurde 1928 von dem Lehrer Hasan al-Banna in Oberägypten gegründet und gilt als die erste fundamentalistische Organisation in der islamischen Welt. Neben ihrem Gründer beeinflusste ihr Chefideologe Said Qutb, der 1966 hingerichtet wurde, insbesondere mit seinem Hauptwerk »Wegzeichen« (1964) nachfolgende Generationen von Fundamentalisten.

Zu Recht stellt der Politologe Bassam Tibi in seinem Vorwort fest, dass die Muslimbruderschaft heute »zu den Grundpfeilern des fundamentalistischen Islam« gehört. Der Wissenschaftler Tibi versteigt sich nicht in Spekulationen über deren Verbindung zu Al Qaida, Hamas und Taliban. Der Journalist und »Terrorismusexperte« Ulfkotte hingegen reiht diese Terrororganisationen und viele andere auch bedenkenlos in das Netzwerk der Muslimbrüder ein. Ein Netzwerk das nur ein Ziel kenne: »die Vernichtung der freiheitlichen westlichen Demokratien und die Wiedererrichtung des Kalifats, einer Religionsdiktatur«.

Man darf den Einfluss der Muslimbruderschaft – auch sicherheitspolitisch – bestimmt nicht unterschätzen. Aber Ulfkottes Behauptung, »die Mehrheit der europäischen Muslime« stünde längst unter ihrem Einfluss, scheint übertrieben. Es bleibt nicht bei Übertreibungen, das Buch enthält auch viele sachliche Fehler. Falsch ist zu behaupten, der Islam »fordere notwendig« und »aus religiösen Gründen« die Genitalverstümmelung von Mädchen.

Ebenso falsch die Behauptung, das »muslimische Zweit und Drittfrauen« in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland beitragsfrei versichert werden. Ein Anruf bei der AOK hätte genügt! Falsch ist die Behauptung, dass im sunnitischen Islam jeder Muslim eine Fatwa, ein Rechtsgutachten, erstellen kann. Auch die These »Der Islam ist und bleibt Einheit von Politik und Religion« ist nicht haltbar. Verfolgt Ulfkotte denn nicht den Diskurs in islamischen Gesellschaften? Die Liste der Fehler ließe sich noch mühelos fortsetzen.

Udo Ulfkote betont in seiner Einleitung, er kritisiere nicht den Islam, sondern den islamischen Fundamentalismus. Doch widerspricht er sich schon dort, wenn er dem Islam Charaktereigenschaften wie »weiterreichende politische Herrschaftsansprüche« zuspricht, die allenfalls auf die radikale, fundamentalistische Strömung in dieser Religion zutreffen. Und nach der Lektüre des Buches wird deutlich, dass diese anfangs betonte Differenzierung lediglich ein Lippenbekenntnis ist. Denn Ulkotte teilt nach allen Seiten aus, man weiß manchmal gar nicht, ob er den Islam, die Fundamentalisten, die Muslimbrüder oder al-Qaida meint.

Es bedarf keiner Marktforschung um festzustellen, dass Ulfkottes Buch sich sehr gut verkauft. Er bedient genügend Ängste und schürt diese. Und er beweist nach »Krieg in unseren Städten« auch mit diesem Buch, dass er ein geschicktes Händchen für brisante Themen und die Stammtischrunde hat. Bleibt zum Abschluss nur noch zu erwähnen, dass Ulfkotte die Gründung einer »Partei gegen die Islamisierung Deutschlands« vorbereitet, um »Sonderrechte für die Muslime« und eine »Aufweichung der Gesetze zugunsten des Islams« zu verhindern.

Nevfel Cumart

Udo Ulfkotte: Heiliger Krieg in Europa. Wie die radikale Muslimbruderschaft unsere Gesellschaft bedroht. Eichborn Verlag, Frankfurt, 2007. 303 Seiten.

 


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